Zwei Erwachsene (Mein Chef und ich) mit einer kleinen Gruppe...Kreischender Jungs und Mädchen. Wir haben eben Spaß..wir kreischen und lachen...und manche Male müssen wir den Kinder LAUT hinter her rufen, weil sie irgendwo nur noch wie kleine Ameisen zu sichten sind;)
Wir lassen ihnen diese Freiheit, vorlaufen zu können, sich umschauen dürfen....solange es keine Gefahren gibt. Ich halte nichts von den Zweier Reihen Händchen laufen....die Kinder sollen aus dem Alltag lernen, daher brauchen sie nicht lernen immer jemanden an der Seite!
Aber die Menschen die schauen immer, als sehen sie eine Horde Aliens...
Ich finde das traurig....das sie mit den Fingern auf die Kinder zeigen und leise tuscheln!
Zum Glück ist ja niemand perfekt....sonst wäre es ja auch ganz langweilig.
Auch damals im Förderzentrum wurde wir angestarrt....da waren ja plötzlich ganz viele Kinder in Rollstühlen im Bus??? und die Kreischen sich ebenfalls an, weil sie das getan haben...was Kinder eben so machen...sich untereinander Zanken!!!Weil sie die Durst haben und die Trinkbecher wollten oder einfach, weil still sitzen im Bus langweilig ist, weil man im Bus soviel entdecken kann...denn sonst fuhren die Kinder immer mit dem Schulbus.
Jetzt bin ich aber noch trauriger und richtig verärgert, denn jetzt geht es um meinen Sohn!!!
Mein Großer ist ja auch auf seine Art ein Besonderes Kind.
Ich habe ihn bisher nicht auf ADHS testen lassen, weil ich der Meinung bin...das mein Sohn Lebhaft aber nicht unglücklich dabei ist, in der Schule kommt er mit ( mit der Ausnahme Legasthenie) aber er ist so wie er ist...mein Sohn....Ob mit ADHS oder ohne...daher spielte es für mich keine Rolle...es wäre eine Diagnose auf Papier!!!Und dies alleine ändert erstmal nichts!
Förderungen für LRS erhält er und auch Gesprächstherapie bekommt er.
Neulich beim Einkaufen stellte ich fest, dass alle Welt meinen Sohn anstarrt. Ja sie zeigten mit dem Finger auf meinen Schatz. Ich nahm ihn in den Arm und drückte ihn und sagte ihm wie lieb ich ihn habe!
Ich dachte, dass er vielleicht nicht fühlen würde wie Blicke der Menschen auf uns treffen! Aber er fragte mich " Mama warum starren mich alle Menschen an?"
Ich sagte " weil du so ein Süßer Kerl bist"
Aber sie starrten auch aus einem anderen Grund.
Mein Sohn hat derzeit unwillkürliche Gesichts Zuckungen.Er legt seinen Kopf schrägt und rollt die Augen. Ähnlich wie bei einer Epilepsie!
Wir sind damit auch in Behandlung....mir macht das Sorgen.
Ich weiß, dass wir das in den Griff bekommen werden...
Sorgen mache ich mir um das Umfeld....meinem Sohn geht es nicht gut damit...aber es geht ihm noch schlechter, wenn alle Menschen ihn anstarren, auf ihn Zeigen....er fühlt das. Er wird nervöser und Selbstkritischer und versucht dann seine Anfälle in den Griff zu bekommen.Was das ganze noch schlimmer für ihn macht.
(ich nenne es Anfälle, weil es nicht durchgehend ist und immer Schubweise auftritt ich aber bisher noch nicht sagen kann, aus welchem Anlass)
Warum? Warum scheint es für viele Menschen ein Problem zu sein, wenn jemand "Anders" ist?
Sie denken nicht nach, sie starren....sie tuscheln....
Egal welches Handycap ein Mensch hat...er fühlt dies.
Ganz schlimm finde ich es, wenn ÜBER einen Menschen mit Behinderung in der dritten Person gesprochen wird.
" wie geht es ihm?" " wie alt ist er?"
Warum haben Menschen so eine große Berührungsangst?
Teilweise können sie nicht Nachvollziehen, dass ich mir Bewusst diesen Job gesucht habe!
Ich habe zwar gelernt, damit umzugehen....wenn ich einen Menschen mit Behinderung begleite...aber eines Bleibt mir immer...ein Gefühl der Traurigkeit, der Wut, der Liebe!
Selbst meine angehende Schwima die nach einer Knie Op mit Krücken laufen muss, wird angestarrt. Sie sagt "ich hasse es mit den Dingern raus zu gehen"
Sie weiß aber auch, dass sie bald ohne Hilfen laufen und gehen kann....
Doch wie schaut es für einen Menschen aus, der immer auf Hilfe angewiesen ist?
Er wird doch jeden Tag seines Lebens mit Blicken konfrontiert...wie geht ein Mensch damit um?
Hierzu habe ich eine tolle Geschichte aus meinen Lehrunterlagen...ich möchte sie mit Dir teilen...sie hat mich sehr zu nachdenken angeregt. Diese Kurzgeschichte sollten wir für uns selbst Diskutieren und schauen wie wir sie persönlich verstehen:
Hier Also:
Franz Christoph, der sich selbst als Krüppel bezeichnet, berichtet, wohlwollende Nichtbehinderte sagten ihm häufig " Für mich bist du gar kein Behinderter, sondern ein Mensch, wie alle andere auch"
Was empfände wohl der Nichtbehinderte, so Franz Christoph, wenn der Behinderte das Kompliment mit den Worten zurück gäbe " Für mich bist du gar kein Normaler, sondern ein Behinderter wie alle anderen auch"
(Nach D. Mattner, in Der (im)- perfekte Mensch- Vom Recht auf Unvollkommenheit, 2000)
Ich glaube, diese Zeilen, sprechen für sich selbst, oder?
Ja, Lia. Die Zeilen sprechen für sich. Wenn ich mutiger wäre, würde ich es ausprobieren.
AntwortenLöschenEs ist aber genauso wie Du es empfindest. Ich frag mich oft, wieviel Aufklärung die Welt noch braucht. In manchen Köpfen kommt es nicht an.
Vor kurzem hat mich eine Frau im Al.. gefragt, warum ER denn im Einkaufswagen sitzt. Da war ich spontan mutig. :"Wer ER? Ich seh bloss meine Sohn und mich!" Dann hab ich ganz unschuldig nach hinten geschaut, mich wieder umgedreht:"Und wenn sie den Robert meinen. Der Robert ist nicht fit heute, ist behindert und fühlt sich grad im Einkaufswagen wohl!"
Ich weiss nicht, ob sie den Käse wirklich wollte, den sie ganz schnell genomen hat...und ab!
Wenn meine Tage nicht gut sind, zieht es mich richtig runter, dieses Erleben, das Du da beschreibst.
Was kann das sein, was Dein junger Mann da hat? Hoffentlich habt Ihr einen guten Arzt, und es wird bald behandelt.
Ist es bei Dir auch nass und kühl?
Ich wünsche uns Sonne
Elisabeth
Ja hier ist es auch kalt und nass;(
AntwortenLöschenIch wünsche uns auch ganz viel Sonne...auch im Herzen!!!
Ich finde das in der dritten Person sprechen, total furchtbar.
Einmal waren wir unterwegs, ähnlich wie du mit Robert. Im Bus fragte mich eine Frau "Och warum weint denn das Mädchen?" (sie meinte damit ein Mädchen aus der Förderung)
Ich schaute Lea an und fragte "Lea magst du der Frau sagen, warum Du weinst?"
Lea sagte " sag der Frau, ich will nicht mehr ihr reden"
Ich sagte der Frau " Tut mir Leid, Lea mag nicht mit Ihnen reden" ich lächelte
"Och" sagte die Frau und fand Lea unhöflich???
Ich kann damit eigentlich ganz gut umgehen, aber es ärgert mich!Ich habe vielleicht die Stärke, aber wie schaut es mit meinem Sohn aus? Hat er schon einen Weg gefunden?
Ich kann es ihm nur Vorleben.
Ich glaube dir, dass es Dich runterzieht!
Aber behalte Dir an diesen Tagen etwas im Herzen, Du hast dieses Kleine Wunder, zu Wissen...Eigentlich behandeln wir falschen!!!
Nicht WIR oder Unsere Kinder sind Behindert, sondern die Menschen die damit nicht umgehen können! Denn einmal fragte mich ein Mädchen im Rollstuhl..."Ey sag mal, wer ist eigentlich die Behinderte von uns beiden??Ich oder du?"
Viel Sonne schick
und eine liebe Umarmung
Lia
Ps: Alleine dies zu sagen " Für mich bist du kein Behinderter, sondern ein Mensch wie alle anderen auch!"
AntwortenLöschenEben ein Mensch wie alle, schlimm dass man dann Unterschiede machen muss.Welchen Gefühl bekommt man innerlich, wenn man spüren muss über so einen Satz, das dieser eine Mensch mich vielleicht als "Normal" sieht, aber für andere bin ich unnormal???
Ich bin ein Mensch...ich lebe und ich Liebe..und das alleine muss zählen!!
Danke für diese schöne Kurzgeschichte, sie faßt wirklich in wenigen Worten so viel zusammen.
AntwortenLöschenLiebe Grüße